Es ist 23 Uhr, als wir das Schild mit der Aufschrift „Grand Canyon National Park“ am South Rim erreichen. Wir steigen aus dem Auto und sind umgeben von Stille, Dunkelheit und einer Million Sterne, die am Himmel leuchten. Wow! Obwohl wir von der weltweit bekannten Schlucht noch nichts gesehen haben, sind wir schon beeindruckt. Wir suchen uns einen Schlafplatz und am nächsten Tag sehen wir uns die faszinierende Schlucht ausgiebig von oben an. Es ist wirklich ein Erlebnis, hier zu sein, im wohl berühmtesten Nationalpark der USA. Schon bald aber ist uns klar, wir wollen den Grand Canyon intensiver erleben und den Touristenmassen entkommen – und das geht am besten bei einer ausgiebigen Grand Canyon Wanderung.

Grand Canyon Tageswanderung auf einen Blick

  • Ausgangspunkt: Yaki Point, South Kaibab Trailhead
  • Route: South Kaibab Trail, Colorado River, Bright Angel Trail
  • Länge: 30 km
  • Höhenunterschied: 1.500 Höhenmeter
  • Dauer: ca. 10 Stunden
  • Schwierigkeitsgrad: Schwer

Wanderungen und Trekkingtouren im Grand Canyon

 Wandern kann man am Grand Canyon enorm viel und gleichzeitig sind die Möglichkeiten sehr eingeschränkt. Wie das? Der Grand Canyon bietet zwar extrem viele Wege, allerdings sind diese meist nicht erschlossen und wer in die 5.000 m² große Schlucht hinabsteigt, muss sich bewusst sein, dass er auf eigene Faust unterwegs ist. Es gibt nur wenige erschlossene Wanderwege:

  • Grand Canyon Rim Trail: einfacher Wanderweg ohne Höhenmeter, der am South Rim entlang führt. Er bietet viele Aussichtspunkte in den Grand Canyon.
  • Bright Angel Trail: Dieser Weg führt von der Bright Angel Lodge bis zum Colorado River hinab. Am 1 ½ Mile House, 3 Mile House und Havasupai Gardens gibt es Wasserstationen (nicht immer in Betrieb!).
  • South Kaibab Trail: Vom Yaki Point bis hinunter zum Fluss führt der South Kaibab Trail. Geniale Aussichtspunkte inklusive 😊
  • Hermit Trail: Der Hermit Trail ist für fortgeschrittene Wanderer, denn er ist nicht beschildert und kaum ausgezeichnet. Hier kann man sich leichter verlaufen als auf den anderen Trails.
  • Grandview Trail: Der Grandview Trail ist ebenso steil und wird nicht instandgehalten. Hier ist festes Schuhwerk ein Muss!

Der beste Ausgangspunkt für die Wanderungen ist das South Rim. Die besten Unterkünfte am Grand Canyon:

Aussichtspunkt Grand Canyon

Schnell haben wir uns über diese Wege informiert, doch das bloße Wandern im Grand Canyon zu einem Aussichtspunkt und zurück reicht uns nicht. Wir wollen den Grand Canyon auf einer Wanderung intensiver erleben! Im Internet finden wir einzelne Erfahrungsberichte über eine Tageswanderung zum Colorado River und zurück. Im ersten Moment denke ich „Die spinnen ja“, im zweiten und dritten Moment erscheint mir diese Idee gar nicht mehr soo abwegig.

Sonnenuntergang Grand Canyon South Rim
Sonnenuntergang am Grand Canyon: Die Aussicht vom South Rim ist zwar wunderschön, aber wir wollen mehr!

Grand Canyon Tageswanderung: warum alle davon abraten

Die Parkranger in der Touristeninformation raten uns jedoch geschlossen davon ab, die Wanderung zum Colorado River in einem Tag zu machen. Die Wanderung ist extrem herausfordernd, hat ihre ganz eigenen Herausforderungen und viele Wanderer im Grand Canyon überschätzen sich auf dieser langen Etappe.

Wir wenden ein, dass das doch sicher Leute im fortgeschrittenen Alter oder unsportliche Menschen sind. „Nein, die sehen alle so aus wie ihr“, antworten die Ranger ernst. Etwas verunsichert fragen wir im Backcountry Office nach, die kennen sich bestimmt besser aus. Aber auch dort werden wir beim ersten Mal entmutigt. Viele Leute müssen mit dem Helikopter gerettet werden, einige sind sogar schon gestorben. Darunter die 24-jährige Marathonläuferin Margaret Bradley aus Boston, die mit Sicherheit noch um einiges fitter war, als wir es momentan sind.

Überall wird darauf hingewiesen, dass im Notfall eine Rettung aus dem Grand Canyon nicht garantiert werden kann. Wir sprechen mit einer anderen Mitarbeiterin, und als sie uns anmerkt, dass wir es ernst mit der ganzen Sache meinen, verrät sie uns wichtige Tipps, die uns extrem hilfreich bei unserem Vorhaben sind! Diese Tipps und unsere Erfahrungen zur Grand Canyon Wanderung zum Colorado River findest du im letzten Absatz dieses Beitrags zusammengefasst.

Hinweis: In einem Tag zum Colorado River und zurück zu gehen, ist kein Spaziergang! Nur wer ausreichend fit und geübt (auch in schwierigem Gelände) ist, sollte darüber nachdenken, diese Strecke zu gehen. Die Grand Canyon Wanderung an einem einzigen Tag ist keine Strecke, die wir jedem ausnahmslos empfehlen würden!

Gefahren und Herausforderungen des Grand Canyon

Der Grund, weshalb allen Besuchern abgeraten wird, sind zum einen die Temperaturen. Du startest vom South Rim aus und gehst in den Canyon hinab. Das bedeutet, dass sich das Klima verändert, je weiter du in den Canyon gelangst. Unten befindest du dich in der Wüste, wo es gut zehn Grad heißer ist als oben am Rim.

Zum anderen liegt es an der umgekehrten Reihenfolge der Höhengewinnung. Während du bei einer gewöhnlichen Bergtour wie einer Wanderung in den Dolomiten beispielsweise erst Höhenmeter gewinnst und dich dann an den Abstieg machst, ist es bei der Grand Canyon Wanderung anders herum. Zuerst steigst du 1.500 Höhenmeter ab und musst dann mit bereits müden Beinen den Aufstieg bewältigen.

Trotz der vielen Warnungen und Gegenargumente hat sich das Ziel in unserem Kopf festgesetzt, dass wir an einem Tag in den Grand Canyon und wieder zurück wandern wollen. Einen ganzen Tag verbringen wir also mit der Planung dieser Wanderung und die investierte Vorbereitung zahlt sich aus! Am Abend steht der Plan und zwar wollen wir auf dem South Kaibab Trail hinab- und über den Bright Angel Trail aufsteigen. Wegen der vier Wasserstellen, die es auf letzterem gibt, macht es in dieser Richtung am meisten Sinn.

Tipp: Auf der Key Hiking Seite des Nationalparks findest du alle aktuellen Informationen zu den Wanderwegen, gesperrte Abschnitte und Verhältnisse. Check diese Seite unbedingt vor deiner Wanderung in den Grand Canyon.

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Auf los geht’s los! – Grand Canyon, wir kommen!

Mit dem Hiker’s Express-Bus fahren wir zum Start des South Kaibab Trails. Im Gepäck: verschiedene Klamottenschichten, viel Essen, viel zu trinken, eine Kamera, zwei Karten, Sonnencreme, Erste-Hilfe-Set, jede Menge Vorfreude und vor allem Respekt vor dieser Unternehmung. Also alles, was man so braucht.

Sonnenaufgang Grand Canyon Wandern
Tageswanderung Grand Canyon Warning
Diese Tageswanderung im Grand Canyon ist nicht empfohlen! Das wird uns noch mal klar …

Um 06:05 Uhr starten wir mit den ersten Schritten auf den Trail und es fühlt sich gut an! Wir haben Respekt, aber keine Angst vor dem, was uns erwartet. Wir wissen, dass wir es schaffen und uns gegenseitig unterstützen können, wenn es notwendig ist. Im Nachhinein hätten wir noch früher starten sollen, denn es wird sehr schnell sehr heiß im Grand Canyon! Die ersten Sonnenstrahlen beleuchten Teile des Felsens, aber noch gehen wir im Schatten, worüber wir sehr froh sind! Eine Frau mit ihrem Sohn macht ein Foto von uns, sie gehen auch bis zum Colorado River, werden allerdings dort am Zeltplatz übernachten und morgen zurückgehen. Eine Grand Canyon Wanderung mit Übernachtung wurde uns auch empfohlen, allerdings war die Phantom Ranch, die einzige Unterkunft neben dem Campingplatz, bereits ausgebucht.

In Stufen und Serpentinen schlängelt sich der Pfad unermüdlich in die scheinbar endlose Schlucht hinein. Immer wieder bieten sich uns spektakuläre Aussichtspunkte, wie wir sie vom Rim aus nicht erlebt hätten, zum Beispiel am Ooh Aah Point. Obwohl es beim Aufstehen echt kalt war, wird uns jetzt warm und wir ziehen die erste Schicht unserer Klamotten schon mal aus.

Grand Canyon Wanderung zum Colorado River
Es geht los: Bisher wandern wir noch im Schatten, doch das wird sich schnell ändern.
Aussichtspunkt Grand Canyon Wanderung
South Kaibab Trail Grand Canyon
South Kaibab Trail
Ooh Aah Point Grand Canyon Wanderung
Der Ooh Aah Point hat sienen Namen auf jeden Fall verdient!

Der Abstieg in die Schlucht

Eigentlich sind wir dauerhaft dabei, etwas zu essen oder zu trinken. Seien es Chips, Nüsse, Schokolade, Elektrolyt-Drinks oder unser fabelhafter Grand Canyon Trail Mix. Weil der Körper neben Wasser so viel Salz verliert, ist es extrem wichtig, ihm dies wieder zurückzugeben. Das passiert, indem man erstens viel, viel und noch mehr Wasser trinkt und zweitens salzige Sachen isst. Ja, jetzt dürfen wir endlich ohne jedes schlechte Gewissen Chips essen, so viel wir wollen, ist das nicht super? Auf jeden Fall wollen wir verhindern, dass unser Körper dehydriert oder aufgrund des hohen Salzverlustes schlapp macht.

Alle Leute, die wir treffen, fragen wir nach ihrem Weg. Manche übernachten auf dem Campingplatz am Colorado River oder in der Phantom Ranch, ein Pärchen geht mit mehreren Zwischenstopps zum North Rim und manche gehen nur bis zu einem Aussichtspunkt und dann wieder zurück.

Nur drei Leute treffen wir, die an einem Tag zum Colorado River und zurück gehen wollen. Ein Ultramarathon-Läufer, der „nur einen kurzen Lauf unternimmt“, ein Physiker aus New York, den wir immer wieder treffen, und eine Brasilianerin, die so schlecht vorbereitet ist, als würde sie einen kurzen Spaziergang durch eine Wohnsiedlung machen. Sie hat weder einen Hut noch eine Karte, geschweige denn genügend zu essen und zu trinken dabei. Wir geben ihr eine unserer Karten ab, nicht dass sie sich auch noch verläuft. Sie ist gestern in Flagstaff gelandet und heute schon hier unterwegs, hat die falschen Klamotten an und eigentlich nie geplant, so weit zu wandern. Über die Grand Canyon Wanderung informiert hat sie sich so gut wie gar nicht.

Der Abstieg ist wie erwartet nicht besonders anstrengend, aber wir wissen, dass wir es nicht unterschätzen sollten. Die ersten Kakteen und Yuccas wachsen am Wegesrand, was uns zeigt, dass wir jetzt in der Wüste sind.

South Kaibab Trail Grand Canyon
Pferde mit Reiter Grand Canyon
Grand Canyon Skeleton Point

Der Colorado River – anders als erwartet

Endlich kommt auch der Colorado River in Sicht. Wie ein grau-blauer Streifen schlängelt er sich durch die Schlucht und wir wissen, da müssen wir runter.

Je näher wir ihm kommen, desto deutlicher erkennen wir die Strömung und die Farbe. Über die Black Bridge geht es auf die andere Seite des Flusses und dort finden wir uns an einem Ort wieder, den wir hier so gar nicht erwartet hätten: ein weißer Strand am türkisblauen Wasser des Colorado River! Wie am schönsten Urlaubsort sieht es hier aus. Und das Beste: Die Menschenmassen sind 1.500 Höhenmeter von uns entfernt oder steigen vermutlich gerade erst aus ihren weichen Hotelbetten. Die Erfrischung kommt gerade recht und so kühlen wir uns einige Zeit im willkommenen Wasser des Flusses ab, das zugegeben doch sehr kalt ist.

Grand Canyon Colorado River
Colorado River Grand Canyon Strand
Der Colorado River hat einen richtigen Strand. Das hätten wir nicht erwartet 🙂

Zu lange dürfen wir uns aber nicht aufhalten, denn ab jetzt wandern wir in der Sonne und bevor diese mittags herunterprallt, wollen wir am Havasupai Gardens (früher Indian Garden) ankommen. Dieser ist nämlich einer der seltenen Plätze mit Schatten und dort wollen wir eine längere Pause machen. Bis dahin gibt es aber noch einige Höhenmeter zu überwinden.

Hier unten zweigt der Weg zur Phantom Ranch und dem Campingplatz ab. Außerdem führt der North Kaibab Trail weiter zum North Rim des Grand Canyon. Wir schlagen den Bright Angel Trail ein und nutzen die Trinkwasserstelle, um all unsere Flaschen aufzufüllen. Außerdem tauchen wir unsere Kopfbedeckung ins kalte Wasser, um auch den Kopf zu kühlen.

Über die Silver Bridge gelangen wir wieder über den Colorado River und einige Zeit führt der Weg am Fluss entlang, bevor der richtige Anstieg beginnt.

Colorado River Grand Canyon
Silver Bridge Grand Canyon
Abzweigung South und North Kaibab Trail
Grand Canyon Trail Phantom Ranch

River to Rim – der Grand Canyon hat es in sich

 Der Anstieg hat es in sich – 1.500 Höhenmeter und weitere 12 Kilometer liegen vor uns. Es bläst ein so heißer Wind, sodass man meinen könnte, es würde uns jemand einen Fön direkt ins Gesicht halten. Der Weg ist allerdings sehr schön angelegt, sehr natürlich, und bietet immer wieder fantastische Aussichten auf den Grand Canyon. Mit jeder neuen Kurve verändert sich der Ausblick auf den Fluss – nur unser Ziel (das Rim) scheint einfach nicht näher zu rücken. Die Brasilianerin ist am Ende ihrer Kräfte, wir sehen sie ein gutes Stück weiter unten im Schatten einer Kurve sitzen und sie sieht ziemlich erschöpft aus. Ihr Langarmshirt hat sie sich nun über den Kopf gebunden, ohne Kopfbedeckung hält man es hier nicht aus!

An einem kleinen Wasserfall nutzen wir gleich die nächste dankbare Gelegenheit und springen samt Klamotten in das kalte Wasser. Nach nur wenigen Minuten Wandern im Grand Canyon sind wir sowieso wieder vollständig trocken. Wenig später kommen endlich die grünen Baumkronen des Havasupai Gardens in Sicht. Eine richtige Oase inmitten der kargen Wüsten- und Felslandschaft. Hier finden wir eine Trinkwasserstelle, Sitzbänke und jede Menge Schatten. Das Thermometer zeigt 90 Grad Fahrenheit, also etwa 33 Grad Celsius – im Schatten!

Havasupai Gardens – eine Oase während der Grand Canyon Wanderung

 Wir lassen uns auf eine Bank fallen und packen unser verdientes Mittagessen aus. Wir haben Sandwich gemacht, doch essen kann man davon eigentlich nur noch das Brot an sich. Auf der Salami könnte man ein Spiegelei braten, so warm ist sie, und der Käse ist in der Verpackung geschmolzen. Also gibt es Brot und danach Skittles, Chips und jede Menge Elektrolytdrinks. Etwa 40 Minuten sitzen wir im Schatten, mittlerweile ist es ein Uhr mittags. Zwischen 10 und 16 Uhr sind die Temperaturen am höchsten, dann solltest du es vermeiden, auf der Grand Canyon Wanderung unterwegs zu sein. Am besten verbringst du eine lange Pause im Schatten des Huvasapai Gardens.

Wandern im Grand Canyon Havasupai Gardens
Havasupai Gardens Indian Garden Grand Canyon
Der Havasupai Gardens ist eine willkommene Oase durch den vielen Schatten.

Wir haben jetzt noch 1.000 Höhenmeter und 7 Kilometer vor uns. Diese teilen wir uns in Etappen ein und tricksen unseren Kopf aus, indem wir uns Zwischenziele setzen, die näher zu erreichen sind. Die Sonne brennt nun direkt auf uns herunter. Dazu erwartet uns der steilste Abschnitt des Trails, deshalb verlangsamen wir das Tempo und gehen nur so schnell, wie es uns gut tut. Ein Ranger kommt uns entgegen und fragt, wie es uns geht und ob wir genügend zu Essen und Trinken dabei haben. Danke der Nachfrage, all good!

Wir kommen am 3-Mile-House an, einer Schutzhütte, die drei Meilen vom Bright Angel Trailhead entfernt ist. Das Holzschild mit der schwarzen Aufschrift „water“ verspricht Gutes. Wir halten unsere erhitzten Köpfe unter das Wasser und füllen alle Flaschen wieder auf. Nach einer kurzen Pause setzen wir unseren Weg fort und als wir aufbrechen, erreicht die Brasilianerin gerade die Hütte. Sie sieht erschöpft aus und wir fragen sie, ob sie etwas zu essen braucht, da wir noch genügend haben. Sie lehnt dankend ab, über ihren Gesundheitszustand machen wir uns aber weiter Sorgen.

Wanderweg Grand Canyon Bright Angel Trail
3 Mile House Grand Canyon Bright Angel Trail
Wasser am 3 Mile House!

Die letzten Kilometer im Grand Canyon

Das Ziel rückt immer näher und jetzt können wir es schon sehen. Einen Fuß vor den anderen setzen und wir wissen, bald haben wir es geschafft! Wir blicken nach unten und sehen den enorm langen und steilen Weg, der hinunter führt und dessen Linie sich irgendwo zwischen den Felsen verliert. Der Havasupai Gardens ist nur noch ein grüner, länglicher Fleck weit, weit unter uns. Der Großteil der Grand Canyon Wanderung liegt schon hinter uns und jetzt sind es nur noch wenige Kilometer, die uns vom Rim trennen. Die Wüstenlandschaft wird von grünen Pflanzen abgelöst und wir erreichen die letzte Etappe: das 1,5 Mile-House. Hier legen wir wieder einen kurzen Stopp ein, um unseren Kopf mit Wasser zu kühlen und uns einige Minuten im Schatten auszuruhen.

Dass wir nicht weit vom Ziel entfernt sein können, sagen uns nicht nur der Blick auf die Pulsuhr, die schon 28 Kilometer anzeigt, sondern auch die Menschen. Hier oben, so kurz unterhalb des Rims, sind mehr Wanderer unterwegs und anhand ihrer Klamotten und ihres Schuhwerkes können wir deutlich erkennen, dass sie nur ein paar Hundert Meter in den Grand Canyon hineinwandern. Die letzten Meter sind die schönsten, denn mit jedem Schritt wissen wir, es ist ein Schritt weniger bis zum Ende der Wanderung.

Die Tageswanderung zum Colorado River ist geschafft!

Das Glücksgefühl, das uns überkommt, als wir am Rande des Grand Canyon angekommen sind, ist unbeschreiblich! Nach 30 Kilometern, 1.500 Höhenmetern und 10 Stunden unterwegs sind wir erschöpft, aber glücklich! Wir haben die Grand Canyon Wanderung, vor der wir großen Respekt hatten, in einem Tag geschafft und nichts fühlt sich im Moment besser an als das!

Aufstieg Bright Angel Trail Grand Canyon Erfahrung
Bright Angel Trailhead South Rim

Die wichtigsten Tipps und Erfahrungen für eine Wanderung in den Grand Canyon:

Diese Tipps und wichtigen Hinweise solltest du dir gut durchlesen, wenn du vorhast, den Grand Canyon in einer Tageswanderung zu besuchen. Uns haben sie enorm geholfen, deshalb lies unsere Erfahrungen im Grand Canyon aufmerksam. Vorbereitung ist alles! Das haben wir spätestens auch bei unserer wilden Wanderung auf dem Routeburn Track gelernt.

Vorbereitung auf die Wanderung

  • Unterschätze den Grand Canyon nicht! Gehe mit Respekt an die anspruchsvolle Wanderung heran! Sei dir bewusst, dass es eine sportliche Leistung ist, die du da unternimmst, und keine einfache Wanderung! Wenn du zum körperlich herausforderndsten Teil der Strecke kommst, sind deine Füße schon ein dutzend Kilometer gelaufen und dementsprechend müde. Wer diese Wanderung nicht unterschätzt, wird sich selbst auch nicht so leicht überschätzen und die eigenen Kräfte entsprechend besser einteilen.
  • Starte so früh wie möglich. Am besten nimmst du direkt den ersten Bus (hiker‘s express). Wir sind um 06:05 Uhr gestartet, es hätte aber ruhig noch früher sein dürfen. Außerdem erlebst du so einen wunderschönen Sonnenaufgang!
  • Wähle die richtige Richtung: Steig am besten (so wie wir) über den South Kaibab Trail ab und über den Bright Angel Trail auf. Entlang des Bright Angel Trails gibt es mehrere Wasserstellen, die dir den Aufstieg enorm erleichtern. Achtung: Nicht alle sind immer in Betrieb! Informiere dich vorab im Visitor Center.
  • Salziges Essen und Junk Food: (Fast) alles, was ungesund ist und viel Salz enthält, ist auf der Grand Canyon Wanderung hilfreich! Brezeln, Chips, Nüsse, aber auch Schokolade, Skittles, M&Ms oder Gummibärchen. Dazu viel Wasser (3-4 Liter pro Person) und jede Menge Elektrolytdrinks. Und keine Sorge: Du musst kein schlechtes Gewissen haben, denn dein Körper schwitzt all diese Stoffe heraus 🙂
  • Trage unbedingt eine Kopfbedeckung. Du bist die meiste Zeit der direkten Sonnenstrahlung ausgesetzt und machst dazu noch aktiv Sport. Es gibt nichts wichtigeres, als einen Hut oder eine Kappe zu tragen, die deinen Kopf vor der Hitze und Sonne schützt.

Die wichtigsten Tipps für unterwegs:

  • „Cooking time“ vermeiden! Versuche, nicht zwischen 10 und 16 Uhr zu wandern. Ja, wir haben das auch nicht ganz so geschafft, aber das wichtigste ist: In dieser Zeit solltest du dich auf keinen Fall am Colorado River aufhalten. Es kann dort unten so heiß werden, sodass dein Körper viel schneller dehydrieren kann. Wir waren um 9 Uhr am Fluss und etwa um 12 Uhr am Indian Garden, wo wir bis ca. 14 Uhr Pause gemacht haben. Je weniger du in der Mittagshitze wandern musst, desto besser.
  • Wasserstellen nutzen: Wann immer du auf eine Wasserstelle (Wasserfall/ Fluss/ Bach) triffst, geh hinein! Wenn du nicht komplett darin baden willst, dann tauche wenigstens dein T-Shirt und deinen Hut darin ein. Das kühlt Körper und Kopf wieder herunter und ist dringend notwendig!
  • Zwischenziele setzen: Vor allem beim anstrengenden Aufstieg ist das Durchhalten Kopfsache. Teile dir die Wanderung und vor allem den Aufstieg in kleinere, erreichbare Etappen ein und arbeite auf diese hin. Nach einer kurzen Pause geht es dann auch wieder leichter.
  • Nicht austrocknen: Der wichtigste Gegenstand war für mich der Labello. Durch das Salz, das dein Körper verliert, trocknen auch die Lippen aus. Das kann mit der Zeit enorm unangenehm werden und du bist nur noch dabei, die Lippen mit der Zunge zu befeuchten.

Und ansonsten bleibt uns nur noch zu sagen – safe hiking! Und lass uns doch gerne deine Erfahrungen oder Eindrücke (zu diesem Beitrag oder zur Grand Canyon Wanderung) in den Kommentaren da.

Welche sind die schönsten Wanderungen im Grand Canyon?

Die schönsten Wanderungen im Grand Canyon sind der South Kaibab Trail, der North Kaibab Trail sowie der Bright Angel Trail. Die Aussichtspunkte wie Ooh Aah Point, Skeleton Point oder Plateau Point sind lohnenswerte Stopps auf den Wanderungen. Wir empfehlen dir, unbedingt eine Wanderung (auch wenn es nur eine kurze ist) im Grand Canyon zu machen.

Wie fit muss man für eine Grand Canyon Wanderung sein?

Für eine kurze Wanderung in die Schlucht hinein solltest du durchschnittlich fit und nicht das erste Mal auf einer Wanderung unterwegs sein. Überschätze deine Fitness nicht, da du den Aufstieg erst am Ende bewältigen musst. Für eine Tageswanderung im Grand Canyon solltest du sehr fit sein und viel Erfahrung im Wandern mitbringen.

Wie lange dauert eine Wanderung vom Rand zum Colorado River und zurück?

Die Wanderung vom South Rim zum Colorado River und zurück haben wir in etwa 10 Stunden gemacht. Je nach Fitness und Dauer deiner Pausen kann die Zeit variieren. Starte auf jeden Fall so früh wie möglich und plane die Wanderung so, dass du vor 12 Uhr am Havasupai Gardens bist.

Brauche ich eine Genehmigung für Wanderungen im Grand Canyon?

Für die Wanderwege im Grand Canyon brauchst du keine Genehmigung, sofern du keine Übernachtung einlegst. Planst du eine Wanderung am Grand Canyon mit Übernachtung, dann benötigst du gegebenenfalls ein Backcountry Permit, das du im Backcountry Information Center bekommst.

Wie gefährlich ist eine Grand Canyon Wanderung?

Je nachdem wie weit du in die Schlucht hinab wanderst, ist eine Grand Canyon Wanderung gefährlich oder nicht. Die größten Gefahren sind die Hitze, das Wüstenklima, Dehydration und Selbstüberschätzung. Eine Wanderung bis zum 1,5 Mile House beispielsweise ist durchaus machbar. Eine Tageswanderung zum Colorado River und zurück hingegen ist durchaus mit Risiken verbunden.

Aktualisiert am 30. Mai 2025

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10 Comments

  1. Hallo ihr beiden,
    vielen Dank für eure tolle Beschreibung der Wanderung.
    Ich werde Mitte September in den USA sein und möchte eure Tour ebenfalls bewältigen. Ich lese immer wieder, dass man in der Mittagszeit nicht wandern sollte. Ist es aus eurer Sicht eine Möglichkeit die Mittagszeit im Indian Garden zu verbringen und dann um 15 oder 16 Uhr weiter zu wandern?

    Viele Grüße
    Jan

    • Krissi & Michi Reply

      Hallo Jan,

      vielen Dank für dein Feedback zu unserem Beitrag. Mitte September ist ein guter Zeitpunkt für die Wanderung aus unserer Sicht. Richtig, die Mittagszeit solltest du meiden, weshalb sich der Aufenthalt im Indian Garden anbietet. Für die letzten etwa 7 Kilometer ist es ideal, wenn du gegen 15/ 16 Uhr weiterwanderst.
      Das klingt nach einem guten Plan, lass uns doch dann gerne wissen, wie deine Wanderung gelaufen ist!
      Viel Spaß!

      Liebe Grüße
      Krissi

  2. Hallo ihr beiden,
    Anfang Mai will ich auch in den Canyon herunter und natürlich auch wieder hinauf (in einem Rutsch).
    Ihr schreibt, man soll so früh wie möglich starten. Fahren denn die Shuttle Busse schon so früh um 5 Uhr morgens?
    Ich habe eine Unterkunft ausserhalb des NP in Tusayan, muß also noch mit dem Wagen in den NP fahren. Ist der rund um die Uhr auf?
    Euch alles gute aus dem hohen Norden in Schleswig Holstein!
    Axel

    • Krissi & Michi Reply

      Hallo Axel,
      Anfang Mai ist eine gute Zeit, um die Tour zu machen!
      Die Abfahrzeiten der Shuttle-Busse kannst du hier nachsehen: https://www.nps.gov/grca/planyourvisit/shuttle-buses.htm
      Der Nationalpark ist rund um die Uhr geöffnet, es gibt keine Schranke – zumindest nach unserem Stand von 2018 🙂
      Viel Spaß beim Planen und natürlich Durchführen deiner Tour und liebe Grüße in den hohen Norden!
      Krissi & Michi

  3. Hallo Krissi und Michi,

    Vielen Dank für den tollen Beitrag. Meine Frau und ich haben dadurch große Lust auf die gleiche Tour durch den grand canyon bekommen.
    Sehe ich das richtig, dass ihr im Januar die Wanderung gemacht habt? Wir sind Mitte September am Grand Canyon. Würdet eure eigene Route und die Wanderung innerhalb eines Tages auch im September in Betracht ziehen?

    Vielen Dank im Voraus.
    Gruß Sascha

    • Krissi & Michi Reply

      Hallo Sascha,
      danke für dein Lob zu unserem Beitrag 🙂
      Wir haben den Artikel dazu im Januar veröffentlicht, die Wanderung selbst haben wir Mitte Mai unternommen. Das Wetter im Mai und September ist am Grand Canyon recht ähnlich, von daher würde sich unserer Meinung nach der September ebenso dafür eignen. Vergesst nicht, dass es am Fluss unten deutlich heißer ist als am Rim und startet daher so früh wie möglich. Am besten informiert ihr euch direkt vor Ort im Backcountry Office über Wetterbedingungen etc.
      Viel Spaß auf eurer Tour!

      Viele Grüße
      Krissi & Michi

  4. Oskar Laszakovits Reply

    Hallo Krissi, Hallo Michi,

    Mein Name ist Oskar Laszakovits.
    Würde gerne mit meiner Frau im Grand Canyon dem Weg zum Colorado River gehen.
    Ich bin bereits 73 und meine Frau 69 Jahre.
    Können wir mit diesem hohen Alter den Tripp wagen.
    Ist es möglich am Fusse des Grand Canyon in einer Hütte zu übernachten.

    Mit vorzüglicher Hochachtung,
    Oskar Laszakovits

    • Krissi & Michi Reply

      Hallo Oskar,
      vielen Dan für deinen Kommentar. Für die Wanderung am Grand Canyon, wie wir sie gemacht haben, ist eine gute Fitness absolute Voraussetzung. Ob ihr persönlich diese Wanderung schaffen könnt, können wir nicht beurteilen. Geht ihr denn regelmäßig in den Bergen wandern oder haltet euch auf ähnliche Weise fit? Auch das Wetter und die hohen Temperaturen im Canyon sind eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. Jedes Jahr müssen viele Personen aus dem Canyon gerettet werden, weil sie viele Komponenten unterschätzen.
      Es gibt die Möglichkeit, am Colorado River auf der Phantom Ranch zu übernachten und die Tour auf zwei Tage aufzuteilen.
      Unser Tipp wäre also: Macht euch noch einmal gut Gedanken darüber, sprecht auch mit Rangern vor Ort oder teilt die Wanderung gegebenenfalls auf zwei Tage auf. Alternativ könnt ihr auch nur bis zu einem der Aussichtspunkte und wieder zurück wandern. Auch so entkommt man den vielen Menschen am South Rim und kann den Grand Canyon ganz für sich genießen.
      Viel Spaß in den USA!
      Krissi & Michi

  5. Hey,
    durch Zufall bin ich gerade auf euren Blog gestoßen und möchte euch erstmal ein Kompliment machen, ihr habt sehr schöne Bilder und auch die Texte sind super geschrieben, da bekommt man beim Lesen schon Fernweh.
    Ich plane mit einer Freundin eine USA Reise ende Juni und wir sind am Überlegen ob wir den Grand Canyon in ein oder zwei Tagen machen sollen, also das altbekannte Problem. Jetzt aber zu meiner eigentlichen Frage, wie trainiert wart ihr und würdet ihr diese Wanderung erneut in einem Tag machen?
    Ich freue mich auf eure Antwort
    Liebe Grüße
    Jana

    • Krissi & Michi Reply

      Hallo liebe Jana,

      vielen Dank für deinen lieben Kommentar, es freut uns sehr, dass dir unser Blog gefällt und unsere Artikel dir weiterhelfen bzw. zu Fernweh verhelfen 😉
      Wir laufen in unserer Freizeit sehr viel (2-3 mal pro Woche), aber haben uns in sportlicher Hinsicht nicht extra auf diese Wanderung vorbereitet, da es eher eine spontane Entscheidung war. Wir würden die Wanderung wieder in einem Tag machen, da es zwar eine Herausforderung war, die wir aber gut bewältigen konnten.
      Ende Juni müsst ihr nur damit rechnen, dass es schon um einiges wärmer im Grand Canyon (speziell unten am Fluss) sein kann. Natürlich müsst ihr es schließlich selbst entscheiden, wir hoffen aber, dass euch unsere Tipps weiterhelfen.
      Viele liebe Grüße und eine super Zeit in den USA!

      Michi & Krissi

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